von Angelika Stein, Autorin von mama-tipps.de - mehr als 6000 Tipps für Eltern
Nachhilfe - muss das sein?
Jährlich geben Eltern Millionenbeträge für Nachhilfe aus – leider bekommen Sie aktuell dafür weniger Leistung als in den Vorjahren – die Preise wurden deutlich angehoben.
Nachhilfeunterricht wird in allen Klassenstufen in Anspruch genommen – am meisten wird jedoch für die Versetzung gepaukt - oft mit professioneller Unterstützung.
Lesen Sie, worauf Sie achten sollten, wenn Sie für Ihr Kind einen Nachhilfelehrer engagieren wollen.
Nachhilfe - Wer ist geeignet?
Ältere Schülerinnen
Es durchaus eine Überlegung wert, einen älteren Schüler mit der Nachhilfe zu beauftragen. Wenn der Schüler die selbe Schule besucht, kennt er die entsprechenden Lehrer und weiß damit auch, worauf diese Wert legen. Darüber hinaus ist der Schüler "nah" am Geschehen dran, er sieht die Probleme aus der Sicht eines Schülers und kann so auch oftmals besser erklären. Ein großes Problem ist aber die mangelnde Übersicht des "Laien-Nachhilfelehrers". Er kann nicht ermessen, welchen Wissensstand sein Schützling hat, dafür fehlt den meisten die Einsicht in die Zusammenhänge des Lernstoffes.
Ein weiterer Minuspunkt: Schülern fehlt oft die Autorität, die nötig ist, um ein Kind zu leiten. Der Schüler, der ihrem Kind etwas beibringen möchte, sollte sich durchsetzen können und sicher sein Ziel verfolgen.
Falls Sie auf eine Schülerin/einen Schüler zurückgreifen möchten, fragen Sie andere Eltern nach ihren Erfahrungen. Auch ein Aushang am Schwarzen Brett kann Ihnen weiter helfen. Vielleicht fragen Sie auch einmal die Lehrer, welche Schüler besonders gut Sachverhalte erklären können.
Nachhilfe durch Profis
In manchen Fällen wird es sinnvoller sein, die Nachhilfe den «Profis», also den Lehrerinnen und Lehrern, Referendarinnen und Referendare, Studentinnen und Studenten der Pädagogik zu überlassen. Hier können Sie Sachkunde voraussetzen, in inhaltlicher und pädagogischer Hinsicht. Ebenso voraussetzen können Sie Autorität; das wird in der Regel von Vorteil sein, kann aber in bestimmten Fällen auch heißen, dass ein vielleicht negativ besetztes Lehrer-Schüler-Verhältnis sich wiederholt und auswirkt. Eine Schülerin oder ein Schüler sollte ihren bzw. seinen Nachhilfelehrer schon mögen. Wie in allen Lebensbereichen muss auch beim Lernen die Chemie stimmen. Um einen geeigneten Lehrer zu finden, können Sie in der Tagespresse inserieren oder auch in der Schule nachfragen.
Fragen Sie insbesondere auch nach pensionierten Lehrern - viele von Ihnen haben noch Lust, im Ruhestand ein bisschen mit Kindern zu arbeiten. Bei einem solchen Nachhilfelehrer können Sie in den meisten Fällen darauf vertrauen, dass er ausreichend Geduld und Erfahrung mitbringt.
Auch Lehrerinnen im Mutterschutz oder Lehrerinnen und Lehrer im Erziehungsurlaub sind geeignete Kandidaten für die Betreuung Ihres Sprösslings.
Darüber hinaus bieten immer mehr Nachhilfeinstitute ihre Dienste an.
Ein Problem ist, dass niemand die Qualität dieser Einrichtungen kontrolliert – so kann es mitunter sehr lange dauern, bis man merkt, dass hier die Leistung nicht stimmt. Die Nachhilfeinstitute arbeiten sehr oft mit Studenten – die müssen nicht zwangsläufig qualifiziert sein.
Tipps
Vereinbaren Sie eine kostenlose Probestunde, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben. Erkundigen Sie sich nach der Qualifikation der Lehrkräfte und nehmen Sie den Vertrag genau unter die Lupe – unterschreiben Sie keine Verträge, die Sie länger als ein halbes Jahr binden. Ein weiterer Knackpunkt: In den Ferien fallen die Stunden oft aus und werden nicht oder nur teilweise ersetzt – erkundigen Sie sich auch hier unbedingt nach den Bedingungen.
Wenn Sie ein geeignetes Nachhilfeinstitut suchen, sind auch die Tipps von Bekannten und Freunden hilfreich: Wenn sie zufrieden sind, lohnt es sich, die Einrichtung genauer anzusehen.
Ein wichtiger Hinweis: Die Sekte Scientology ist inzwischen auch schon auf dem Nachhilfemarkt involviert. Seien Sie hier besonders wachsam!
Eltern/Freunde
Grundsätzlich gilt: Wer bereit ist, sich auf das Kind einzustellen und auch akzeptiert, dass er vielleicht ein bisschen Vorbereitungszeit wegen der unterschiedlichen Lernwege auf sich nehmen muss, kann sein Kind unterrichten. Natürlich ist hier der Aufwand sehr hoch. Dazu kommt, dass diese Nachhilfe selten von Erfolg gekrönt ist. Die emotionale Nähe zwischen Eltern und Kind ist meistens eher hinderlich als förderlich. Da das Kind genau weiß, dass bei den Eltern die Grenzen weiter gesteckt sind als bei Fremden, wird es eher über die Strenge schlagen als bei einem fremden Menschen.
Außerdem geraten Eltern eher in Gefahr, die Geduld zu verlieren, da Sie mehr von ihrem Kind erwarten und das Versagen des Kindes oft als persönlichen Misserfolg ansehen.
Es gibt sicherlich auch Familien, in denen die Eltern gute Nachhilfelehrer sein können. Das verlangt jedoch von beiden Seiten einen nicht zu unterschätzenden Kraftaufwand.
Tipp: Kosten senken und besser lernen
Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass es in einer Klasse oder Klassenstufe mehrere Kinder gibt, die Förderbedarf in einem bestimmten Fach haben. Da liegt es doch nahe, dass sich zwei oder mehrere Schülerinnen und Schüler bzw. deren Eltern zusammentun und gemeinsam nach einer Nachhilfe suchen.
Das senkt die Kosten und kann auch pädagogisch sehr sinnvoll sein. In einer kleinen Gruppe lernt es sich gut, jeder profitiert auch von den Fragen der Anderen. Wirklich verstanden hat man schließlich den Stoff, wenn man zumindest Teile davon seiner Mitschülerin oder seinem Mitschüler selber erklären kann. Und außerdem verhindert dieses Lernen in der Gruppe das «Versager-Gefühl», wenn man mitbekommt, dass auch andere Schüler Schwierigkeiten haben und diese bewältigen.
Das macht einen guten Nachhilfelehrer aus
- Er hat Geduld und erklärt auch ein zweites und drittes Mal.
- Er hat Kenntnis von modernen Lerntechniken und Lehrmethoden und wendet sie auch an
- Er weiß, dass Nachhilfeunterricht mehr ist als reine Wissensvermittlung. Ein Schüler, der über längere Zeit schlechte Noten geschrieben hat, braucht in erster Linie den Glauben an seine Leistungsfähigkeit und mehr Selbstbewusstsein. Auch hier ist der Nachhilfelehrer gefragt.
- Ein guter Nachhilfelehrer übernimmt die Führung – er hat ein klares Konzept, was bearbeitet werden soll und hält sich konsequent daran.
- Ein guter Nachhilfelehrer „holt das Kind dort ab, wo es steht“. Das heißt, er berücksichtigt den Kenntnisstand des Schülers und seine Lern-Gewohnheiten.
- Vorsagen ist out, Hilfe zur Selbsthilfe ist der Schlüssel zum Schulerfolg. Der Nachhilfelehrer soll dem Schüler nicht vorschnell die Lösung vorsagen, sondern ihn durch gezielte Fragen dazu bringen, die Lösung selbst zu erarbeiten
- Ein guter Nachhilfelehrer lobt.
- Er kritisiert in einer Art, die das Kind nicht verletzt und herabsetzt. Er formuliert seine Anliegen positiv.
- Das sollte eigentlich selbstverständlich sein: Ein guter Nachhilfelehrer mag Kinder einfach –auch, wenn sie mal nerven.
- Der Nachhilfelehrer erkundigt sich nach dem Leistungsstand. Er interessiert sich für das Verhältnis zu den Lehrern ebenso wie für den familiären Hintergrund, soweit dieser für den Lernerfolg relevant ist.
- Ein guter Nachhilfelehrer macht sich selber überflüssig und erzieht die Schüler nicht zur Abhängigkeit.
- Ein optimaler Nachhilfelehrer glaubt daran, dass jedes Kind mehr Möglichkeiten hat, als die die es bereits genutzt hat – er glaubt an Ihr Kind und zeigt das auch.
- Wenn es Probleme in der Schule gibt, können Sie sich vetrauensvoll an ihn wenden, er unterstützt sie mit Rat und Tat.
Nachhilfe - keine Dauereinrichtung
Wenn Nachhilfeunterricht zu einer Dauereinrichtung wird, kehrt sich der positive Effekt um: Das Kind wird von der Unterstützung abhängig. Auch das Selbstbewusstsein kann leiden, schließlich hat Ihr Kind immer das Gefühl, es nicht allein geschafft zu haben.
Für manche Schüler mag es bequem sein, über Jahre hinweg Nachhilfeunterricht in Anspruch zu nehmen – die Entwicklung und die Eigenständigkeit fördert das sicherlich nicht.
Klären Sie gleich zu Beginn mit Ihrem Kind, dass die Unterstützung begrenzt ist – so ist die Gefahr gering, dass der Schüler sich zu sehr auf seinen Nachhilfelehrer verlässt.
Wer Nachhilfeunterricht erteilt, ist natürlich auch daran interessiert, dass seine Kunden möglichst lange bleiben. Es ist also Ihre Aufgabe als Eltern, immer wieder zu überprüfen, ob der Nachhilfeunterricht noch nötig ist.
Fordern Sie Selbstständigkeit
Wer immer nur Wissen einpaukt, der wird langfristig nicht selbstständig arbeiten können. Wenn der Nachhilfelehrer Ihrem Kind aber Lerntechniken und Strategien vermittelt, dann kann Ihr Kind irgendwann auch selbstständig weiterlernen.
Wenn Sie von Anfang an klarstellen, dass genau das das Ziel des Nachhilfeunterrichts ist, gibt es später keine.
Wann macht Nachhilfe Sinn?
Wer länger krank gewesen ist, hat seine Mühe, den Stoff wieder aufzuholen. In einem solchen Fall ist Nachhilfeunterricht eine sinnvolle Hilfe. Sinnvoll ist sie auch dann, wenn es um einen konkreten Anlass, wie zum Beispiel die Nachprüfung im Herbst geht.
Manchmal schleichen sich über Jahre hinweg Wissenslücken ein und plötzlich rutschen die Noten in den Keller. Auch diese Situation macht Nachhilfeunterricht meistens nötig – allein schafft es der Schüler kaum, alle Wissenslücken aufzuarbeiten.
Nachhilfeunterricht macht keinen Sinn, wenn die Ursachen für die Probleme gar nicht im fehlenden Wissen liegen. Prüfungsangst kann zum Beispiel eine Ursache sein, warum Kinder in der Schule versagen. Überforderung und Unterforderung sind weitere Gründe, warum Kinder nicht die erforderlichen Leistungen erbringen.
Auch Kinder, die an ADS leiden haben oft massive Schulprobleme- hier hilft kein Nachhilfeunterricht, sondern nur ein Besuch beim Arzt.
Wenn Sie vermuten, dass einer dieser Gründe vorliegen könnte, ist der Hausarzt und/oder der Schulpsychologe der beste Ansprechpartner.
Checkliste "Nachhilfeinstitut"
- Erhalten Sie vorab Informationen zum Unterrichtsverlauf?
- Gibt es Einzel- oder Gruppenunterricht? Sind Gruppen aus gleichaltrigen Kindern zusammengesetzt?
- Handelt es sich um Kleingruppen?
- Wird das Material der Schule (Arbeiten, Bücher etc.) verwendet?
- Sind Sie Nachhilfelehrer qualifiziert? Wird das belegt?
- Sind die Preise mit anderen Institutionen vergleichbar?
- Gibt es Punkte im Vertrag, die Sie nicht verstehen oder die Ihnen merkwürdig erscheinen
- Werden ausgefallene Stunden nachgeholt?
- Verlängert sich der Vertrag automatisch? Bitten Sie darum, dass das gestrichen wird.
- Liegt die Vertragsdauer unter einem Jahr? Falls nicht, bitten Sie um Änderung
- Welchen Ruf hat das Nachhilfeinstitut? Gibt es positive Erfahrungsberichte? Fragen Sie auch die Lehrer an der Schule danach.
- Ist das Institut in Ihrem Umfeld bekannt?
- Ist das Angebot neutral oder werden die Schüler in eine Richtung beeinflusst?
- Ist das Angebot esoterisch angehaucht?
- Welche Methoden werden eingesetzt?
- Werden Inhalte und Lerntechniken vermittelt?
- Haben die Lehrer einen Plan, nach dem sie vorgehen? Verlangen Sie Auskunft darüber, wie konkret mit Ihrem Kind gearbeitet wird
Service
Preise für Nachhilfe
Preise für Gruppen- und Einzelunterricht herunterladen
http://www.arbeiterkammer.com/www-387-IP-29224-IPS-0.html
Eigenverantwortliches Lernen
Auf dieser Website gibt es reichlich Material, das von Lehrern erstellt wurde – wunderbar zum Üben geeignet
http://evl.htldornbirn.vol.at/startseite/frames_material.htm
Werner Stangl
Tolle Arbeitsblätter zum Herunterladen
http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/Arbeitsblaetter.html
Infos über Schul- und Heimbeihilfen
http://wien.arbeiterkammer.at/pictures/d31/Folder_Beihilfe.PDF
Ratschläge bei Nachhilfe- ein hilfreicher Ratgeber
www.abi-ev.de/pdf/merk2002.pdf
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