Die Legasthenie bzw. Lese-Rechtschreibstörung zählt mittlerweile zu den sogenannten "Teilleistungsstörungen" bzw. "Teilleistungsschwächen". Wie sich diese Schwächen beim Lesen und Schreiben äußern, soll nachfolgend dargestellt anhand der spezifischen Symptomatik dargestellt werden.
Die umschriebene Lese-Rechtschreibstörung äußert sich in Anlehnung an die ICD-10-Definition beim Lesen in folgenden Punkten (nachfolgende Aufzählungen jeweils nach Warnke/Roth 2002, S. 454/WHO 2007, leicht verändert und ergänzt nach Schulte-Körne 2004, S. 66):
- Auslassen, Ersetzen, Verdrehen oder Hinzufügen von Worten oder Wortteilen,
- niedrige Lesegeschwindigkeit,
- Startschwierigkeiten beim Vorlesen, langes Zögern oder Verlieren der Zeile im Text, ungenaues Phrasieren,
- Schwierigkeiten beim Aufsagen des Alphabets,
- Vertauschen von Wörtern im Satz oder von Buchstaben in den Wörtern.
Beim Leseverständnis äußert sie sich in:
- Problemen Gelesenes wiederzugeben, einer Unfähigkeit, aus Gelesenem Schlüsse zu ziehen oder Zusammenhänge zu sehen,
- der Verwendung allgemeinen Wissens als Hintergrundinformation anstelle von Informationen aus einer besonderen Geschichte, wenn zu dieser besonderen Geschichte Fragen zu beantworten sind.
Im Bereich des Rechtschreibens lassen sich folgende Besonderheiten beobachten:
- Reversionen: Verdrehungen von Buchstaben im Wort: (b-d, p-q, u-n),
- Reihenfolge- oder Sukzessionsfehler: Umstellungen von Buchstaben im Wort (die-dei),
- Auslassen von Buchstaben (auch-ach),
- Einfügungen falscher Buchstaben,
- Regelfehler (Dehnung, Groß- und Kleinschreibung),
- Wahrnehmungsfehler (Verwechslung von d-t, g-k) sowie
- Fehlerinkonstanz dadurch, dass ein- und dasselbe Wort immer wieder unterschiedlich fehlerhaft geschrieben wird.
Zu beachten ist, dass diese Fehler nicht alle gemeinsam auftreten müssen, sondern auch einzeln oder isoliert auf eine Legasthenie/LRS hinweisen können. Eine ausführliche Diagnostik ist dementsprechend immer vonnöten!
Weitere Symptomatik/Probleme
Legasthene Menschen haben darüber hinaus noch mit weiteren Problemen zu kämpfen. Die oft benachteiligte Stellung in der Gesellschaft oder bereits früh in Schulklassen führt nicht selten zu einer starken, psychischen Belastung, welche sich negativ auf die bestehenden Lernschwächen auswirken können. Es entsteht ein Teufelskreis (bzw. eher eine Spirale), der sich immer mehr ausweitet, wenn nicht von außen interveniert wird. Auch die AD(H)S (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) ist eine Begleiterscheinung, die häufig gemeinsam mit der Legasthenie auftritt.
Die Abbildung rechts liefert weitere Begleitsymptome unterteilt in jene, die sich bereits vor Schulbeginn zeigen können (rechts) und solche, die sich erst mit Beginn des Schulbesuchs manifestieren (links). Klicken Sie auf das Bild für eine vergrößerte Darstellung!
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Quellen/Literaturhinweise
Schulte-Körne, Gerd (2004). Lese-Rechtschreib-Störung: Symptomatik, Diagnostik, Verlauf, Ursachen und Förderung. In: Thomé, Günther (Hrsg.) (2004). Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) und Legasthenie. Eine grundlegende Einführung. Weinheim/Basel: Beltz. S. 64-85. Für Infos hier klicken!
Warnke, Andreas/Roth, Ellen (2002). Umschriebene Lese-Rechtschreibstörung. In: Petermann, Franz (Hrsg.) (2002). Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie und -psychotherapie. Göttingen et al.: Hogrefe. S. 453-476. Für Infos hier klicken!
World Health Organization (Hrsg.) (2007). International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems. 10th Revision, Version for 2007. URL: http://www.who.int/classifications/apps/icd/icd10online/ (abgerufen am 30.10.2007).
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