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Wissenschaftliche Arbeit: Legasthenie und Englisch

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Eine Definition des aktuell gebräuchlichen Begriffs "Legasthenie" erscheint sehr schwierig, da fast gleichwertig auch die Begriffe "Lese-Rechtschreibstörung", "Lese-Rechtschreibschwäche", "Dyslexie" oder "Leseschwäche" kursieren. Daher soll hier ein kurzer Aufriss der verschiedenen Ansichten und Definitionen gegeben werden, bevor wir unsere eigene Position darstellen.


Geschichtlicher Ursprung

Ende des 19. Jahrhunderts berichtet der Augenchirurg Morgan als erster den Begriff der "Wortblindheit" noch bevor es das Wort Legasthenie überhaupt gab. Dieses wurde durch 1916 durch den deutschen Ranschburg eingeführt und bedeutet grundsätzlich "Leseschwäche" (vom Lateinischen legere = lesen und Griechischen astheneia = Schwäche).
Leider hatte die Forschung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Pathologisierung legasthener Menschen zur Folge, da sich hauptsächlich nur die Medizin mit der Problematik beschäftigte, ohne dass man psychologische oder biologische Ursachen suchte. Um die medizinische Konnotation zu vermeiden, wurde der Begriff "Legasthenie" dann auch 1978 von der Kultusministerkonferenz offiziell abgeschafft - dennoch ist er bis heute geblieben.


Definition nach ICD-10

Die World Health Organization (WHO) definiert daher auch keine Legasthenie, sondern eine "umschriebene Lese-Rechtschreibstörung" bzw. eine isolierte Rechtschreibstörung unter "Entwicklungsstörungen schulischer Leistungen". Dort heißt es:

"The main feature is a specific and significant impairment in the development of reading skills that is not solely accounted for by mental age, visual acuity problems, or inadequate schooling. Reading comprehension skill, reading word recognition, oral reading skill, and performance of tasks requiring reading may all be affected. Spelling difficulties are frequently associated with specific reading disorder and often remain into adolescence even after some progress in reading has been made. Specific developmental disorders of reading are commonly preceded by a history of disorders in speech or language development. Associated emotional and behavioural disturbances are common during the school age period. "


Dyslexia vs. Legasthenie

Darüber hinaus lässt sich eine Unterscheidung treffen zwischen der deutschen Legasthenie und der englischen dyslexia (Dyslexie). Erstere ist dabei eine Störung, die beim Lernen von Lesen und Schreiben interveniert, während die zweite die Ausübung der bereits erworbenen Schriftsprache stört (Wirth 2000, S. 393-394).




Pädagogische Definition des EÖDL/DVLD

Eine weitere Unterscheidungsmöglichkeit ist die des Ersten Österreichischen Landesverbands Legasthenie. Er unterscheidet zunächst eine LRS von einer Legasthenie davon, dass eine LRS erworben wird, d.h. keine angeborene Schwäche darstellen muss, sondern durch psychische Faktoren bedingt ist. Eine Legasthenie lässt sich dann noch in eine Primärlegasthenie und eine Sekundärlegasthenie unterscheiden, bei der erstere die "normale Ausprägung" einer Legasthenie mit genetischen Ursachen darstellt und die zweite noch verstärkt durch psychische Faktoren (ähnlich der LRS) die Legasthenie negativ beeinflusst (Kopp-Duller 2003).
Die von Astrid Kopp-Duller geprägte, pädagogische Definition der Legasthenie lautet wie folgt: "Ein legasthener Mensch, bei guter oder durchschnittlicher Intelligenz, nimmt seine Umwelt differenziert anders wahr, seine Aufmerksamkeit lässt, wenn er auf Symbole, wie Buchstaben oder Zahlen trifft, nach, da er sie durch seine differenzierten Teilleistungen anders empfindet als nicht legasthene Menschen. Dadurch ergeben sich Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, Schreibens oder Rechnens."


Unsere Ansicht/Definition

Egal welchen wissenschaftlichen Ansatz und welche Definition man sich zurechtlegt: Legasthene Menschen zeigen oft eine sehr stark differenzierte Symptomatik und Probleme in vielerlei Hinsicht. Eine umfassende Definition erscheint daher schwierig. Testverfahren und Gespräche helfen uns dabei herauszufinden, wo die Probleme genau liegen und wo wir bei der Arbeit mit legasthenen Menschen ansetzen können.
Wir benutzen bewusst den Begriff "Legasthenie" und "legasthen", da er uns - trotz der unter Umständen pathologisierenden Konnotation - umfassender erscheint als "Lese-Rechtschreibschwäche" es vermag und er im Sprachgebrauch einfach griffiger ist. Wir legen aber besonderen Wert darauf, dass legasthene Menschen weder krank noch behindert sind!


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Quellen/Literaturhinweise

Kopp-Duller, Astrid (2003). Legasthenie und LRS. Der praktische Ratgeber für Eltern. Freiburg im Breisgau/Basel/Wien: Herder.

Wirth, Günther (2000). Sprachstörungen, Sprechstörungen, Kindliche Hörstörungen. Lehrbuch für Ärzte, Logopäden und Sprachheilpädagogen. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag.

World Health Organization (Hrsg.) (2007). International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems. 10th Revision, Version for 2007. URL: http://www.who.int/classifications/apps/icd/icd10online/ (abgerufen am 30.10.2007).

 

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